Alleinsamkeit – vom Nylon.- zum Stützstrumpf

Alleinsamkeit – ja dieses Wortkonstrukt gibt es tatsächlich. Ich fand es heute beim recherchieren in Sachen Einsamkeit. Was sagt das www so dazu? Was kann ich bei Wikipedia so nachlesen? Und wie fühlt sich tatsächlich so an, gerade in dieser Zeit!

Gerade in dieser Zeit – ich merke bereits wie aggressiv mich auf Dauer diese Formulierung für die aktuelle weltumspannende Misere macht.

,000 – hat der Kater zwischenzeitlich mit seinen Pfoten getippt!

 

 

Ja, es macht mich traurig und zornig zugleich. Was heißt hier Krise, in der wir leben? Das war doch schon immer so, nur halt nicht so hautnah wie jetzt. Zumindest, hat es der Großteil der Mitteleuropäer nie so empfunden. Krisen, Epidemien, Krankheiten, Kriege, Tote – gab es zu jeder Zeit auf der Welt. Diese Erde war nie gerecht für sämtliche ihrer Bewohner. „Du kannst die Welt nicht ändern!“ Wird die Erde, jetzt die Menschen verändern? Die Natur schlägt zurück. Ein winzig kleiner Virus (kleinster, auf lebendem Gewebe gedeihender Krankheitserreger) – wie groß ist der eigentlich? – dieser SARS-CoV-2  – bringt das normale Leben zum Stillstand.

Was ist ein normales Leben? Geburt – Schule – Ausbildung – Job – Partnerschaft – Kinder – Urlaub – Haus – Auto – Garten – friedlich sterben? Wessen Leben läuft tatsächlich so geradlinig und vorhersehbar, wie vielleicht geplant? Und falls doch, ist das erstrebenswert?
Wie hoch ist die Chance, nach einer katastrophalen Kindheit, in ein erfreuliches Leben zu gehen? Sicherlich findet sich dazu eine Statistik, eine Studie. Wie hoch ist die Chance, nach einer unglücklichen Ehe, die wahre Liebe zu finden? Wie hoch ist die Chance, im mittleren Alter, seinen Traumjob zu finden?
Jeder einzelne wird dazu wohl eine andere prozentuelle Angabe machen. Abhängig von der eigenen Lebenserfahrung, abhängig von unzähligen Faktoren. Oder einfach lediglich aus der Tatsache, dass der Eine ein positiver Mensch ist und der Andere eben eher skeptisch dem Leben gegenübersteht. Das Glas ist…

Ich beobachte derzeit den unterschiedlichen Umgang mit der anhaltenden Corona-Krise im www und selten draußen – Abstand haltend – auf der Straße. Es gibt die, die gnadenlos optimistisch, klatschen, singen, Trost spendete Worte formulieren. Es gibt jene, die andere ermahnen – gefälligst die Pandemie-Gesetze/Maßnahmen einzuhalten. Die meisten, zumindest ist das mein Eindruck, nimmt es als gegeben hin. Und es gibt die Menschen die sich zu Tode schuften.
Wohin tendiere ich? Wenn ich mich so beobachte, denke ich, dass ich in einer Art bewegungsloser Schockstarre befinde. Wortlos. Ratlos. Ahnungslos, wie ich damit umgehen soll. Überfordert mit der zusätzlichen Last, die sich zu den bisherigen Brocken hinzufügt. Nachdem ich ohnehin gesundheitlich seit mittlerweile 8 Jahren angeschlagen bin, musste ich mir ein Konzept für die nahe Zukunft erstellen. Schritt für Schritt raus aus der depressiven Phase – der Sonne entgegen. Prioritäten formulieren. Um dies alleine zu schaffen, bedarf es ein hohes Maß an Disziplin. Mit dem Bewusstsein der eigenen Grenzen und der vorhandenen Energie.

Meine Erkenntnisse im Umgang mit prekären Lebenssituationen sind zu Hauf vorhanden. Ohrfeige – aufstehen. Watsche – aufstehen. Schläge – aufstehen. Bedrohungen – aufstehen. Aufstehen, als wäre es der nächste Morgen, nach einer geruhsamen Nacht in einem kuscheligen Bett. Es ist aber nicht so, wie nach einem erholsamen Schlaf dekoriert mit einem süßen Traum. Nein, es ist….ermüdend. Die Frage, nach dem warum, stellt sich andauernd. Die Flucht in die Vergangenheit, die ab und an einige schöne Augenblicke bereitet hat ist bald ausgeschöpft. Letztendlich ändert es nicht den zaghaften Blick in die Zukunft.
Den Stillstand, den im Augenblick scheinbar viele Menschen empfinden, den kenne ich nur allzu gut. Das Innehalten, das mit sich beschäftigen, das Hinterfragen seines eigenen Lebens. Das Auseinandersetzen mit dem Sinn des Lebens. Persönlich auf mich abgestimmt. Neudefinierung eines Lebenskonzeptes.
Es gibt kein Geheimrezept. Die zusammen gewürfelten Zutaten bestimmen nicht wir allein.

Eines kristallisiert sich jedoch klar heraus – alleine schafft man es nicht – auch wenn man denkt, es geht. HausübungTeil1031112
Es funktioniert nicht. Außer man geht bewusst in Klausur, und zeigt der ganzen Welt den nackten Arsch und obendrein den Stinkefinger. Auch wenn man eher ein Einzelgänger ist, werden wir ab und an die Gesellschaft anderer Menschen suchen.
Ich habe nur wenige Freunde, die ich regelmäßig treffe. Auch schon vor Corona. Alle sind in einer Partnerschaft. Viele von ihnen, leben nicht in Wien. Und der Großteil ist noch berufstätig. Somit bleibt nicht viel Raum für Zeit, um mir Gesellschaft zu leisten. Zudem habe ich festgestellt, dass sie wohl alle meist mit meiner Lebenssituation völlig überfordert sind. Und ich eigentlich nicht wirklich Lust und Laune verspüre über all meine Ängste und Sorgen zu reden. Das hinterlasse ich ohnehin bei meiner Therapeutin, die jedoch momentan auch nicht zur Verfügung steht. Es nervt permanent über Krankheit und Einsamkeit zu reden. Es macht noch kranker und einsamer.
Die Therapeutin würde mich jetzt fragen: „Was würde Ihnen konkret im Augenblick helfen?“HausübungTeil2

Na was wohl – das was jeden Mensch hilft – ein anderer Mensch, der mit mir Gedanken austauscht, mir zuhört, …unvoreingenommen.

Ein Freund ist ein Mensch,
vor dem man laut denken kann!
©Bluesanne (15.12.2011)

Die Versuche in den letzten Jahren aus meiner zwangsläufigen Isolation heraus zu treten und mich auf neue Menschen in meinem Leben ein zu lassen sind kläglich gescheitert. Klar, dass ich mir oft die Frage stellte, woran es liegt. An mir? Natürlich habe ich mich optisch in den letzten Jahren verändert. Selbst ich finde mich derzeit auch nicht sehr ansprechend. Wobei der Spiegel augenblicklich ohnehin schon blind vor Dreck ist. Abgesehen davon, dass ich ohnehin sehr selbstkritisch bin.
Krank und einsam sein macht definitiv hässlich. Und es liegt nicht nur im Auge des Betrachters. Das hat auch die Community im www teilweise schon festgestellt. Man bewegt sich kaum, man vernachlässigt die Körperpflege, man isst zu viel, einige trinken mehr Alkohol, man kleidet sich komfortabel für das vor dem Fernseher gut positionierte Sofa.

Und Einsamkeit macht krank. Ein Teufelskreis. Ich will da raus, trotz eingeschränkter Ausgangssperre. Das geistige Aufeinandertreffen möchte ich mir nicht nehmen lassen.

Sollte es da irgendwo jedoch Menschen geben, die tatsächlich gut gestylt, diszipliniert, beweglich, tanzend, fröhlich singend, unbeschwert durch ihr zu Hause hüpfend und herzlich lachend die blitzblank geputzte Umgebung entspannt und zufrieden genießen, der möge mir seine unbeschwerte Aufmerksamkeit schenken. Vielleicht kann ich noch etwas lernen, dass ich noch immer nicht kapiert habe, wie das in der Alleinigkeit funktioniert.

In Zeiten von Nylonstrümpfen ist es ein Leichtes Kontakte zu knüpfen. In Zeiten mit Stützstrümpfen ist die Chance auf ein Minimum geschrumpft. Und weil dem eben derzeit so ist, freue ich mich schon über ein kleines Zeichen der Solidarisierung mit einsamen Menschen, die sich das Alleine sein, nicht immer freiwillig erwählt haben.
Das noch schlimmere Schicksal anderer Mitmenschen tröstet mich keineswegs, im Gegenteil es macht mich noch trauriger. Deshalb möchte ich viel lieber am Positiven andocken.

Der Virus ist äußerst ansteckend – Menschenfreundlichkeit sollte ein vielfaches virulenter sein.

verfasst am 17.04.2020 ©Bluesanne

Einsamkeit
1.551.938 Aufrufe•19.12.2018

…ein wenig Musik darf es auch hier sein…

Die Ärzte – Omaboy / 1993 (Album: Die Bestie in Menschengestalt)
Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code