Eine Lilie für meinen Fels

Wien, 02.03.2019

Ich weiß nicht, wie oft ich mir schon in den neun Jahren, seitdem Du gestorben bist, gewünscht habe, Du wärst noch da. Könnte Dich einfach anrufen. Stundenlang mit Dir diskutieren. Über Gott und die Welt philosophieren. Viel zu viel Kaffee in einer Nacht trinken, und noch mehr Zigaretten gemeinsam rauchen, bis wir am frühen Morgen endlich die Fenster zum lüften öffnen. Eine CD nach der anderen in den Player legen, dazwischen mit einem guten Glas Wein oder anderen hochprozentigen anstoßen. Einfach Zeit miteinander verbringen. Füreinander Dasein. Einander zuhören. Du warst ein Kleinod im XXXXXL-Format. 

Schön, dass ich noch viele Erinnerungstücke (Briefe, Fotos, usw.) von Dir habe. Um all die abenteuerlichen Jahre ein wenig zu erfühlen. Lebendige Zeiten. Garniert mit süßen und sauren Episoden. Entbehrungen und Luxus wechselten oft von einem Tag zum anderen. Doch irgendwie, haben wir das alles überstanden. Verzeih´mir, wenn ich Dich nicht immer verstanden habe.  Verzeih´, wenn ich nicht immer für Dich da war.

 

 

Mit dem Lift in den Himmel! Ein neues Mitglied in der Gemeinde, der Himmelsband! Sie werden ihn sicher lieben. So wie wir in geliebt haben. Die Zeit hier mit uns war begrenzt, jedoch intensiv und lehrreich. Für ihn, wie auch für mich. Ich bin sehr dankbar ihn getroffen zu haben. Ein Mann, optisch wie ein gigantischer Fels. Übersehen oder gar überhören konnte man ihn kaum. Manchmal war das Laute auch nur ein Hilfeschrei. Ich denke, ich habe ihn verstanden. Und ich weiß, er hat den Lift in den Himmel genommen 😉 (Samstag, 27. März 2010©Bluesanne)



Die Straße schlängelt sich zwischen einer endlosen alten Ziegelmauer und den Bahngeleisen der Aspangbahn. Die zuvor noch schnatterhaften Gespräche zwischen meiner Allerliebsten und mir verstummen langsam. Konzentriert fahre ich die kurvige Straße entlang. Ich versuche mich zu erinnern, welche Tornummer es denn nun tatsächlich sei. Lange war ich nicht hier. Viel zu lange.

Zur Sicherheit hatte ich mir die Adresse in meinem Kalender eingetragen. Der Weg vom Eingang bis an die richtige Stelle ist nicht allzu weit. Es ist sonnig und angenehm warm. Als wir uns an der letzten Wegkreuzung befinden, steuere ich zielsicher an den richtigen Ort. Zwischen all den dunklen und sehr ähnlichen Steintafeln, ragt eine schlanke weiße hervor. Viel Platz ist hier, der Weg ist im Gegensatz zu den vielen anderen, sehr breit. So wie zuletzt streiche ich mit der Hand über den hellen Grabstein. Taste mich an den eingravierten Buchstaben entlang. Meine zehn Finger in den zehn Zeichen seines Namens, die zwar fühlbar sind, aber nicht sichtbar. Nicht einmal, wenn man ganz nahe steht ist etwas zu erkennen. Als sollte niemand wissen, dass er nun hier ist. Ein wenig eigenartig, wie ein Türschild ohne Aufschrift.

Aber er ist nun schon mehr als fünf Jahre hier an diesen sehr windigen Platz. Das erschwert das Anzünden der Kerze enorm. Als sie dann endlich brennt, platziere ich sie in eine der beiden Glaslaternen. Die Grabstelle selbst strahlt in vielen bunten Farben. Eine kleine Wiese aus dutzenden Stiefmütterchen. Ich knie mich hinunter zu den lustigen Blümchen. Zwischen diese fröhliche Farbpracht schiebe ich vorsichtig meine weiße Lilie. Mit ein paar Blättern versuche ich die prächtige Blume auf dem Grab ein wenig zu fixieren. So, dass sie nicht gleich die nächste Windböe davontragen kann. Sanft streichle ich über das kleine Blumenmeer auf dem Grab und klaube dabei noch ein paar vertrocknete Blätter heraus.

Ich bin mir nicht sicher, ob es Dir hier wirklich so gut gefällt, sage ich. Wahrscheinlich sitzt Du ohnehin in einem traditionellen Wiener Kaffeehaus. Genießt einen doppelten Mokka, zündest Dir eine Gitane an und erzählst elendslange Geschichten aus Deinem viel zu kurzen Leben. Ein intensives, ein abenteuerliches, ein sehr ereignisreiches Dasein. Als Bohémien, Freigeist und Genussmensch erfreust Du Dich an den Musestunden mit Deinen Freunden Oskar, Herbert und vielen anderen kreativen Köpfen. So wie Du einer wahrst. In der einen Hand ein Gläschen Bowmore Whisky in der anderen Deine gelbe Meerschaumpfeife. Gelassen würfelst Du das nächste Sechserpasch um den Gegner beim Backgammon zu schlagen. Auf dem edlen Holzbrett, dass Du als eines der wenigen Dinge, die Du noch besessen hast auch schon im Obdachlosenheim Deine Steine gezogen hast. Ganz sicher bin ich mir, dass Du Deinen 58. Geburtstag ordentlich gefeiert hast. Mit ein paar Martinis, schönen Frauen und delikaten Speisen.

Die nächste Windböe zischt über mich hinweg. Langsam erhebe ich mich von der Erde, verabschiede mich und gehe Arm in Arm mit meiner Allerliebsten in Richtung Ausgang.
Wir sehen uns wieder, mein lieber Freund, mein Fels, mein obdachloser Bariton. In meinem Herzen hast Du für immer Deinen Platz.

und Deine Stimme kann ich mir auch immer wieder anhören….

FatM – Fette können nicht fliegen / 2003

Abgeflogen….

in den Himmel, ist der auf dieser CD rappende Protagonist. Diese einmalige Produktion entstand aus einer spontanen Idee im Zusammenhang mit einer Wette. Dabei ging es ums abnehmen. Da ich damals bei der Zeugung, Geburt und Taufe dabei war, kann ich nur sagen: Hier haben alle Beteiligten viel Spaß gehabt. Dennoch entstand aus der entspannten Lockerheit eine professionelle CD. Die Musik ist luftig locker. Der Text und der Refrain leicht zum Mitsingen, aber nicht völlig banal. Vielleicht entsteht ja auch dieser Produktion posthum ein kleiner ohrwurmiger Sommerhit. Im Gedenken an Mister FAT M! (verfasst am 9. April 2010©Bluesanne)

verfasst am 14.04.2015 aktualisiert am 01.03.2020©Bluesanne

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