Das Badezimmer

 

Wien, 19.07.2021

Vorsichtig steige ich aus der Badewanne und betrete tropfend die flauschige Fußmatte. Es fühlt sich so gut an. Frisch geduscht, herrlich duftend im leicht dampfenden Badezimmer nach dem Handtuch zu greifen. Während ich mich trocken rubble, hämmert der Wind die dicken Regentropfen gegen mein gekipptes Fenster. Abermals donnert und blitzt es ganz schön heftig. Wie schön ist es doch hier im warmen geschützten Raum zu sein. Ein Gefühl der Dankbarkeit macht sich in mir breit.

 

Lange hat es gedauert, sehr lange. Der zweit kleinste Raum in meiner Wohnung verfiel im Laufe der Jahre zu einer unerträglichen Baustelle. Die Fliesen lösten sich von den Wänden. Der Verputz fiel Stück für Stück geradewegs in die Badewanne. Die Armaturen waren von dicken Schichten Kalk ummantelt. Als hätten sie Jahrzehnte in einer feuchten Tropfsteinhöhle verbracht, wo Stalaktiten und Stalagmiten aus dem Gestein erblühen.

Baustellenbad

  • 13.03.2010

Ich ging nur sehr ungern in diesen Raum, der üblicherweise täglich benutzt wird. Es wurde immer unerträglicher das Bad zu fre­quen­tie­ren. Ganz abgesehen von der nicht besonders einladenden Optik, war es mittlerweile gefährlich geworden. In dieser Phase der ewigen Baustelle, genoss ich es ganz besonders in Badezimmern von Hotels zu duschen. Dort brauchte ich nicht befürchten, dass mir irgendein Brocken auf den Schädel fällt, oder ich darauf trete. Diese Nassräume waren hell, die Spiegel strahlten worin mein Gesicht scheinbar freundlicher aussahen als zu Hause. Die Kacheln waren fest verklebt und vermittelten einen sauberen Eindruck.

Stapelweise lagen flauschige Hand und Badetücher ordentlich eingeordnet in passenden Möbeln. Sämtliche Kosmetikartikel fanden Platz in geräumigen Spiegelschränken. Die fremden Badezimmer waren so ordentlich aufgeräumt und vermittelten mir ein Gefühl von Behaglichkeit. Es ist ein Ort der Intimität, ein Ort wo man meist alleine verweilt. Wo man seine Körperpflege möglichst ungestört verrichten möchte. Duschen, Haare waschen anschließend ausgiebig abtrocknen und eincremen.

Dieses angenehme Gefühl habe ich über all die lange Zeit vermisst. Entspannt sein, wie in einem Spa. Ich wollte dies auch in meinen eigen vier Wänden empfinden. Deshalb habe ich auch nachhaltig daran gearbeitet, dass ich mir diesen Traum einer kleinen Wohlfühloase verwirklichen kann.

Am 18.07.2012 habe ich während meines Aufenthaltes in der Reha in Gars/Kamp en Bild angefertigt, welches zum Symbol für meine ewige Baustelle wurde. Ich schwor mir, dass ich dieses ins Badezimmer hängen werde, sobald es renoviert ist. Als ich dieses Werk geschaffen habe, wusste ich nicht, dass zu Hause mittlerweile die Revitalisierung begonnen hat. Mein Sohn hat mit Freunden die Wände neu verfliest. Endlich waren die fürchterlichen braunen Kacheln aus den Siebzigern weg.
Das Projekt geriet im Laufe der Jahre ins Stocken. Entweder fehlte es an Geld oder helfenden Händen. Ab und an wurde minimal daran gearbeitet.

Montag, 21.06.2021

der Tag an den endlich alles anders wurde. Die Freude war riesig, als ich früh morgens die Handwerker empfangen konnte. Am liebsten hätte ich ihnen den roten Teppich ausgerollt, wobei der Belag im Vorzimmer ist rot. Jedes Hämmern, Klopfen, Bohren, Sägen und weitere Arbeitsgeräusche genoss ich wie Musik. Eine Traummelodie für Stunden. Es ging alles so schnell und professionell, dass ich es am nächsten Tag gar nicht fassen konnte. Fertig! 

Die Bodenfliesen waren endlich verfugt. Von der Decke strahlten vier integrierte Lichter. Wie Sterne blinkten sie vom Plafond. Der riesige dreitürige Spiegelschrank hing perfekt mittig über dem Waschbecken. Die zerbrochene Steckdose war ausgewechselt. Alles was in den letzten Jahren nicht so ordentlich erledigt wurde, haben die beiden Herren so gut wie möglich verbessert.
Ein absolutes Highlight – die aufklappbare Spritzschutzwand verziert mit einem Muster eines Feuerwerks, nie wieder ein lästig an der Haut klebender ekeliger Duschvorhang.
Am Abend des 22.06.2021 verbrachte ich viel Zeit in den noch nach Farbe riechenden Raum. Ich saugte die Atmosphäre des Neuen auf. Es war ein befreiendes Gefühl. Ein Triumph. Das große Empfinden, endlich einen kleinen Traum verwirklicht zu haben.

Dieses absolute Bewusstsein dieses Glücksgefühles vervollständigte ich in den letzten Wochen noch mit zwei Schränken. Einen für die kuscheligen Badetücher. Einen für den Kater, Damit er in der kalten Jahreszeit sein Geschäft im warmen verrichten kann.
Die Krönung schlussendlich das Aufhängen des Gemäldes „Ewige Bestelle“. Welche nun endlich ein Ende gefunden hat.
Herrlich! Mehrfach besuche ich nun diesen hellen freundlichen Bereich meines Wohnraumes einfach nur so, um dieses zufriedene Gefühl zu spüren. 

Es ist nicht nur eine Revitalisierung des Badezimmers; nein es ist auch eine kleine Wiederbelebung meiner Lebensgeister.

Ewige Baustelle

Mein Traumbad

  • Bad 14072021

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