Molden + Resetarits im Orpheum

Wie erkläre ich einem Fremden das emotionale Wien? Wie fühlt sich Wien an? Wie ist es, in Wien auf zu wachsen und zu leben? Wie vermittle ich all die Finessen die ebenso wie der Stephansdom, das Riesenrad oder die Fiaker dazu gehören, aber in keinem Reiseführer stehen.

Ich gebe zu, ein schwieriges Unterfangen. Aber wenn ich es tun würde, dann mit Musik. Musik, die ebenso vielfältig, bunt und facettenreich wie die Millionenstadt klingt. Gleichermaßen beruhigend und erfrischend wie Regen nach einem heißen Sommertag. 

 

Molden-Resetarits-Orpheum

In dieser Art und Weise wohltuend empfand ich den Abend im

 

Orpheum

mit dem musikalischen Programm genannt: „Regn en Wien“.
Herrlich gefühlvoll dargebracht von den Herrn Willi Resetarits, Ernst Molden, Walther Soyka und Hannes Wirth. Zumal ich ja schon seit vielen Jahren ein begeisterter Fan von Willi Resetarits – mit oder ohne Ostbahn-Kurti-Sonnenbrille bestückt – bin, war mir dieses musikalische Projekt nicht entgangen. Jedoch hatte ich mich damit bisher noch nicht genauer auseinander gesetzt.

Top-Willi

Somit ging ich völlig blank, wie eine weiße Leinwand in die Vorstellung und ließ mich auf den Moment ein. Es wurden viele Momente. Viele Augenblicke in denen sich in mir viele Bilder aus meinem Leben in Wien malten. Das Lied „Bahnhof“ ein Farbklecks erinnert mich an die Zeit als Lehrling. Bestätigt durch die erklärende Kurzgeschichte, dass es sich um den alten Schnellbahnhof „Wien Mitte“ handelt. Wo sich einst das AEZ befand. Dort von wo Jahrzehnte die Radiosendung „Autofahrer unterwegs“, unter anderem mit Walter Niesner, gesendet wurde. Der musikalische Spaziergang führt mich weiter in meine Kindheit. Der „RUDSCHDUAM“, das hölzerne denkmalgeschützte Ungetüm, welches zum Zwecke des Rutschvergnügens im Wurstlpraters herausragt. Auch wenn ich da nie oben war, verstehe ich die textlichen Assoziationen. Rieche förmlich Langos, Zuckerwatte und Bratwürstl.

Die Texte (Autor: Ernst Molden) einfach ungekünstelt, ohne viel Schnörksel, dennoch poetisch, nachdenklich und sinnreich. Sinnlich und besinnlich. Es Lem, Dod und dem was dazwischen so passiert. Da Wind der so manches Mal weht, vom Schnee und dem falschen Schuhwerk, Ausflüge zum Neisidla See, in den Noadn und einen Ausblick von Hameau. Nach beinahe drei Stunden genussvoller heimeliger Musik ist das Gefühlsgemälde in mir vollendet. Ein Konzert mit Tief.- und Müßiggang. Eine emotionale Bilderreise, wunderbar geeignet als Rundgang für alle, die Wien samt Drumherum nachfühlen wollen. Selbst dann spürbar, wenn man eventuell nicht des Wiener Dialektes mächtig sein sollte. Kein Wunder bei derart gediegenen Musikanten und Geschichtenerzählern, die es ebenso vermögen mit ihren Noten und Worten farbenfrohe Bilder zu malen! Vielen Dank für den wunderschönen Abend.

ERNST MOLDEN stimme, akustische und elektrische gitarre WILLI RESETARITS stimme, ukulelen, harps
WALTHER SOYKA harmonika, stimme HANNES WIRTH elektrische und akustische gitarre, stimme

Musikalische Maler – Orpheum

verfasst am 07.12.2015 aktualisiert am 03.05.2022 ©Bluesanne

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