Stand by me

Wien, 13.11.2020

Es gibt nicht wirklich einen bestimmten Anlass, weshalb ich gerade heute diesen musikalischen Beitrag hier zum lesen und hören bereitstelle. Mag ja sein, dass mich der Titel im Augenblick besonders anspricht.

Bleib bei mir. Eine Bitte, eine Aufforderung, ein Wunsch an jemanden nicht zu gehen. Sich nicht aus dem Staub zu machen und eventuell einen Scherbenhaufen zu hinterlassen.
Es finden sich auch keine bestimmten Situationen oder Erlebnisse, die ich mit der Musik von Ben E. King verbinden könnte.

Zumindest erinnere ich mich nicht konkret daran. Möglicherweise ist es eine spezielle Sehnsucht, die dadurch hervorgekramt wird. Eine damit verbundene Hoffnung, einmal befreiter durch die Welt zu trippeln. Unbeschwerter, entsorgte Sorgen, welche endgültig auf dem Sondermüll gelandet sind.  Eine Zeit lang dachte ich, „Stand by me“ – bedeutet: „Halte zu mir, steh mir zur Seite.“  Was ja nicht ganz unrichtig ist.
Oder ist es lediglich … ach was weiß ich…gute Musik, die älter als ich ist.

Stand by me – Bleib bei mir

Wenn die Nacht herein bricht und es dunkel wird. Wenn der Mond das einzige Licht ist, das zu sehen ist. Nein, ich werde keine Angst haben. Nein, ich brauche mich nicht fürchten, wenn ich diesen Song höre. Leicht wie ein Seidentuch schweben die ersten Takte durch die nebeligen Gedanken. Sie fordern mich sanft zum Tanzen auf.

Deine warme Stimme umarmt mich zärtlich im milden Schein des Mondes. Meine Hüften wiegen sich langsam zu Deinem Rumba-Rhythmus. Jede Bewegung bittet Dich zu bleiben. Oh, Darling bleib bei mir! Selbst wenn der Himmel über uns zusammenbricht, bleib bei mir.
Aus dem Dunkel des spanish harlem von Dir erkoren, befreit. Wo niemals die Sonne schien, lediglich die Sterne mein Rot erstrahlen ließ. In neuer Pracht in Deinem Garten frisch erblüht.

Wenn des Abends die letzten einsamen Herzen an der Bar nach einem Liebsten schmachten, dann legt der DJ sicherlich diesen Song auf. Da schmelzen selbst die nüchternsten Herzen dahin. Da bewegen sich sogar die größten Tanzmuffel auf das Parkett. Zum vertikalen Vorspielt der Liebe. Ein Lamourhatscher auf höchstem Niveau befriedigt die tiefsten Sehnsüchte. Wenn statt den Mond und Sternen die Discokugel blinzelnd die romantische Beleuchtung ersetzt. Unausgesprochenes Verlangen leuchtet in den feuchten Augen. Angstschweiß gebadete Körper sich aneinander schmiegen und im Taumel, der Musik erliegen.

Das war wohl vor 54 (59) Jahren schon so und wird auch weiterhin so sein. Ben E. King hat sich verabschiedet. Doch seine Songs werden bleiben. Ewige Evergreens. Lieder für die Verliebten und die, die es noch werden wollen.

Benjamin Earl Nelson geboren am 23.09.1938 in Henderson/North Carolina.Eigentlich unvorstellbar – in einer ganz normalen Popgruppe, den Drifters, spielten 28 Musiker. Nicht alle auf einen Schlag, aber im Laufe der Jahre, und die begannen immerhin 1953, besetzten so einige Sänger diese Formation. Und von diesen Sängern muss immer einer der sogenannte Leadsänger sein, also derjenige, der den größten Teil eines Stückes singt, während die anderen im Hintergrund „Schubidu“ oder „Lalala“ machen.

Ein Mann namens Clyde McPhatter war der erste, der das 1953 machte. Nach zwei Jahren vertauschte er das Mikro mit einer Knarre und sang nun für Onkel Sam. Einer seiner Nachfolger bei den Drifters war der amerikanische Sänger und Songschreiber Ben E. King. Er begann seine musikalische Karriere noch während der High-School-Zeit als Mitglied in der Doo-Wop-Gruppe For B´s.

Nächste Station waren die Moonglows, und ab 1956 gehörte er als richtiger Profi zu den Five Crowns, die Mitte 1958 zu den neuen Drifters wurden, nachdem der Manager der Originalformation die Mitglieder gefeuert hatte und – da er die Rechte an dem Namen Drifters besaß – kurzerhand aus den Five Crowns die neuen Drifters machte. King war Leadsänger bei „There goes my Baby“ Mitte 1959 und bei dem wohl größten Erfolg der Formation: „Save the last dance for me“. Bereits im Mai 1960 verließ King die Drifters und begann eine Solokarriere.

Er hatte Glück: Phil Spector und Jerry Leiber schneiderten ihm einen Song auf den Leib, der ihn hoch in die Hitparaden katapultierte: „Spanish Harlem“. Es folgte: „Stand by Me“ (1961).

25 Jahre später, im Jahre 1986 erneut durch eine Jeanswerbung und den Film Stand by me (Das Geheimnis eines Sommers) in die Charts gehüpft. 1991 nahm Ben E. King gemeinsam mit Bo Diddlley und Doug Lazy eine Version von„Book of love“ für den gleichnamigen Film auf.
Am 30. April 2015 verstarb Mr. King in Teaneck, New Jersey. Er wird weiterhin mit seinen Songs der musikalische Begleiter für viele einsame Herzen und romantische Stunden bleiben.

Unvergessliche Songs von

Ben E.King

und wie könnte es anders sein – Coverversionen – hier eine kleine Auswahl:

verfasst am 01.05.2015 aktualisiert am 13.11.2020 ©Bluesanne

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