Matador

 

 

Wien, 14.11.2020

Erneut ein Blick in die Vergangenheit. Eine der vielen abenteuerlichen Geschichten, die ich mit P.  erleben durfte. Sowie auch eine gedankliche Brücke in meine Kindheit, wo die gelöcherten Holzbausteine ein beliebtes Spielzeug waren. Insbesondere ist mir der Hammer noch in Erinnerung, welcher nicht ausschließlich als Werkzeug zum Bauen von kreativen Konstruktionen diente.

Spielzeug für viele Generationen

„Darauf freue ich mich heute ganz besonders“, sage ich aufgeregt zu P. Wir steigen in unsere Limone (so nannte ich meinen CitroënBX) und fahren in Richtung Waidhofen/Thaya. Es ist der vierte Besuch, bei einer der Betriebe, die wir für das Buchprojekt gewählt haben. Ein Bildband mit ganz speziellen Produkten aus Österreich. Erzeugnisse die sich weltweit einen ganz besonderen Namen gemacht haben. Dinge, die man vielleicht nicht unbedingt gleich mit Österreich verbindet.

Von Menschen ins Leben gerufen, deren Berufung es ist ihre Schöpfungen einfach zu schaffen. Menschen die eine Vision haben und diese mit viel Arbeit und Herzblut in die Realität umsetzen.
So auch das Ehepaar Tobias. Welches 1997 die Markenrechte von Matador erworben hat.

Rundum duftet es von frisch geschnittenen Holz, Harz und Nadelbäumen. Ein Geruch der meine Nase frohlocken lässt. Am liebsten würde ich ausschließlich einatmen um diesen olfaktorischen Genuss nie wieder aus meinem Körper zu entlassen. Der Boden ist überall mit feinen Sägespänen bedeckt. Feiner heller Holzstaub, der aus der Werkstatt geweht ist und sich nun rundum nieder gelassen hat.

Herr und Frau Tobias begrüßen uns herzlich und führen uns sogleich in die heiligen Hallen der legendären Holzbausteine. Klötze, die wohl fast alle Kinder im letzten Jahrhundert in ihren kleinen Händen gehalten haben. Dank Mag. Michael Tobias heute wieder. Einer der sich wieder auf die wesentlichen ursprünglichen Bauteile besinnt. Ebenso wichtig ist ihm bei der Produktion die Qualität. 100 % aus natürlichem Material. Holz, Buchenholz, welches zwei bis drei Jahre gelagert wird.

Mit strahlenden Augen führt er uns durch die Werkshallen. Er erzählt uns, dass er für manche Bauteile, spezielle Maschinen bauen ließ. Rundum das herrliche Holzbukett, welches in meine Nase kriecht. Tränen in den Augen, als ich die ersten Matadorteile in der Hand halte. Tränen der Rührung und wohl auch des feinen Staubes wegen, der durch die Werkstatt tanzt.

Eine besondere Herausforderung sei die Herstellung der Verbindungsstäbe, erzählt uns der Herr des Holzparadieses. Die Stäbchen in unterschiedlichen Größen und Farben müssen passgenau sein, so gut wie unzerbrechlich, gleichzeitig aber flexibel genug um sie mit allen Teilen zu verbinden. Wir dürfen uns alle Stationen der Produktion ansehen. Heute stehen alle Maschinen still, es ist Wochenende. Doch draußen lagert schon das nächste feine, edle Holz für ein Spielzeug, welches es hoffentlich noch ewig geben wird.

Dank der Idee des Österreichers Johann Korbuly. Dessen Einfallsreichtum, die Kreativität mit Matador von vielen Kindern fordert und fördert. Die lange und sehr spannende Entwicklungsgeschichte findet ihr hier.


Achja, einen Baukasten durfte ich mitnehmen. Herrlich, jetzt kann ich mit dem für mich fast schon zu kleinen Hammer, neue wunderbare Konstrukte zusammen klopfen!

Der Name Matador geht auf die alte Redewendung „Er ist ein Matador in seinem Fachgebiet“ zurück und soll die Überlegenheit von Korbulys Konstruktion zum Ausdruck bringen.

und ein passender Song findet sich irgendwie immer dazu:

Garland Jeffreys – Matador (1979)

verfasst am 23.04.2015 aktualisiert am 15.11.2020 ©Bluesanne

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