Frucade oder Eierlikör?

Mit dieser Frage nach dem bevorzugten Getränk, begrüßte er seine Gäste. Besucher der „Phettbergs Nette Leit Show“. Welche vorerst lediglich als Bühnenshow von der Wiener Off-Theatergruppe Sparverein Die Unz-Ertrennlichen um Kurt Palm gedacht war. Zwischen 1995-1996 entstanden insgesamt 24 Aufführungen. Die mittlerweile zu Kult gewordenen Gespräche fanden in der Brigittenau im Gebäude des Globus-Verlages im Schütte-Lihotzky-Saal statt.

Der Gastgeber, Josef Fenz alias „Hermes Phettberg.“ Ein stattlicher Mann, stets in gedeckten braunen Anzug gekleidet. Die Hose fest verankert und straff gezogen mit eleganten Hosenträgern über den unübersehbaren Bauch.  Unter dem rechten Arm geklemmt, eine Ledermappe. Seine lockige lange Haarmähne umschmeichelt sein rundes Gesicht. Jeden der geladenen Gäste begrüßt er demütig und höflich mit einer tiefen Verbeugung. Seine Gespräche führt er mit viel Feingefühl und Intelligenz. Kluge, philosophische Plaudereien gewürzt mit grazilen Humor. Herzliche wie auch kritische Dialoge mit unterschiedlichsten Menschen. Geladene waren u.a.: Marcel Prawy, August Paterno, Josef Hader, Edith Klinger, Tobias Moretti, Sigi Maron, Manfred Deix, Chris Lohner, Günther Nenning, Hermann Nitsch….

Der österreichische Journalist, DDr. Günther Nenning zu Gast in Hermes Phettberg’s ‚Nette Leit Show‘ aus dem Jahr 1995. Ausschnitt aus der Sendung vom 24. Juni 1995.

YouTube-Link:   Phettberg-Kult

Hermes Phettberg

polarisiert. Der vorwiegend von Schönheit verwöhnte Fernsehzuschauer ist es nicht gewohnt mit einer derart konträren Optik eines Talkmasters konfrontiert zu sein. Die einen lieben ihn, andere finden ihn einfach ekelhaft, unappetitlich grauslich. Ich persönlich war von Beginn an von der ganz speziellen Art und Weise seiner Wortwahl fasziniert. Es bereitet einfach Freude ihn zu zuhören. Auch wenn ich nicht alles goutiere, was er so tut, fasziniert er mich mit seiner philosophischen Denkweise.

1952 in Unternalb bei Retz (NÖ) als Sohn eines Weinbauern geboren. Arbeitete 4 Jahre als Bankangestellter in Wien. Nach weiteren 4 Jahren theologischer Fortbildungsjahren war er als Pastoralassistent in der Erzdiözese Wien tätig. Anschließend war er bis Ende 1989 im Amt der Nö Landesregierung angestellt. In dieser Zeit (1986) initiierte er die Gründung der ersten sadomasochistischen Gruppe Österreichs (Libertine). 1991 spielte er unterschiedliche Rollen bei der Theatergruppe Sparverein ›Die Unz-Ertrennlichen‹ um Kurt Palm. Ab 1992 verfasst er die wöchentliche Kolumne im Falter „Phettbergs Predigtdienst“

Er selbst bezeichnet sich als Elender oder Scheiterhaufen. Doch er ist noch lange nicht gescheitert. Auch wenn er schwer gezeichnet von vielen Schlaganfällen auf 70 kg abgemagert als Sozialhilfeempfänger in einer winzigen voll geräumten Wohnung lebt. Nein, er denkt weiter, schreibt weiter und es gibt auch weitere Filme. 

Im Mai angelaufen: A Perception (Autor: Daniel Pfander)

Sehr zu empfehlen: „Der Papst ist kein Jeansboy“ ab 2.7.2015 im Kino

Hermes ist aktiv bei Twitter.  Ehrlich und wahrhaftig. Oft sind seine Worte sehr bedrückend. Aber er platziert zuweilen weise philosophische Betrachtungen zum Alltag und den Rest der Welt.
Unsere Augen mögen einen verwahrlosten, unansehnlichen und etwas seltsam anmutenden Menschen erblicken. Doch seine wahre Anmut liegt in seinen Überlegungen und Gedanken. Einer, der erbarmungslos sein Leben erträgt und überlebt.
Möge er noch viele Erdäpfel mit Petersilie genießen und die Welt mit seinen geradlinigen, aufrechten Gedanken bereichern.

 


 

Am 22. Februar 2017 erschien das Musikvideo zu dem Lied „Metropolis“ der Hamburger Metal-Band Fäulnis, in welchem er als Protagonist mitwirkte.

Im Juli 2019 war Phettberg im Musikvideo zu dem Lied „Hulapolizei“ des Wiener Rappers Kid Pex zu sehen.

 

Verfasst am: 14.06.2015 aktualisiert am 05.10.2019 ©Bluesanne

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