Saugeile Feministin

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Wien, 08.03.2019

feminin: Herkunft
lateinisch femininus, zu: femina = Frau, verwandt mit: fel(l)are (fellieren) und eigentlich = die Säugende oder vielleicht = die sich saugen Lassende (Quelle:Duden)

Frau sein. Feminin sein. Nicht immer gleichbedeutend mit Feministin sein. Als Frau, für die Geschlechtsgenossinnen etwas tun, ein Vorbild sein. Für Rechte einstehen, Ungerechtigkeiten aufzeigen. 

Als Mädchen im Volksschulalter

wurden mir plötzlich die langen Haare abgeschnitten. Wie so viele andere Dinge habe ich das damals nicht hinterfragt. Ich hatte nie viele Freundinnen, spielte lieber mit den Buben aus der Nachbarschaft auf der Straße „Räuber und Gendarm“. Ich hatte zwar eine Puppe, aber ich beschäftigte mich lieber mit Bausteinen, Matchbox-Autos oder Lego. Oft wurde ich in der Öffentlichkeit als Junge angesprochen. Handarbeiten war nie meine Stärke, meist versaute mir dieser Gegenstand in der Schule mein hervorragendes Zeugnis mit lauter Einsen. In der Hauptschule spielte ich lieber Fußball als gymnastische Verrenkungen auf den Boden vor zuführen. Und irgendwie fanden sich selten so wirklich typisch weibliche Aktivitäten, die mich wirklich begeistern konnten. Make-Up wurde mir ohnehin von zu Hause aus verboten. 

Bin ich deswegen, weniger Frau? Nicht ausreichend feminin?  Ich denke nicht. Meine Weiblichkeit wurde mir ohnehin erst mit etwa 34 Jahren so richtig bewusst. 

Viel wichtiger erscheint es mir, einfach Mensch zu sein. Mit welchem Geschlecht wir auch immer auf die Welt gekommen sind. Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten sämtliche Diskriminierungen auf zu zeigen und sie zu ändern. Zumindest es zu versuchen. Der technische und digitale Fortschritt hat das Menschsein überholt. Das Bild von Mann und Frau ändert sich in der Geschichte zusehends, aber bei weiten nicht in einem ähnlichen Tempo. Gut Ding braucht Weile. Auch wenn sich der folgende Beitrag lediglich mit einer fiktiven Persönlichkeit befasst, hat sie scheinbar doch einiges bewegt. Vielleicht auch deswegen, weil dieses rosa Wesen, einfach das tut, was es tun möchte. Und nicht immer das tut, was Konventionen vorschreiben. Sie nimmt sich die Freiheit; auch was die Frage Sau oder Eber zu sein betrifft.



 

Vor 41 (45) Jahren war ihr erster Auftritt in der Muppet-Show. Doch ihr Leben war nicht immer so glamourös. Als eines, von vielen Ferkelchen auf einer Farm im mittleren Westen der USA geboren. Der Vater ein notorischer geiler Eber, der jeder weiblichen Schweinshaxe hinterher rannte. Während Mama-Sau all die Zeit jede Menge Ferkel an der Backe und ihren Zitzen zu nähren hatte.

Miss Piggy 

(Piggys ursprünglicher Name war Miss Piggy Lee in Anspielung und als Hommage an die Sängerin Peggy Lee)

entsagte dem Landleben. Sie wollte mehr. Als Handschuhverkäuferin verdiente sie sich ihr eigenes erstes Geld. Modelte als Sandwich-Pig für ein Barbecue-Restaurant. Eine der wenigen Dinge, die ihr peinlich sind war ein Werbespot für Schinken. Welcher ihr jedoch zu einem großen Bekanntheitsgrad verhalf. Sie gewann einen Schönheitswettbewerb und wurde bei der Muppet-Show engagiert. Seitdem treibt sie dort ihr Unwesen. Als energiegeladene Diva, die sich an jeden männlichen Gaststar gnadenlos heranmacht. Mit ihren großen blauen Augen, klimpernden Wimpern und eindeutiger Gestik schnüffelt sie mit ihrem entzückenden Schweinerüsselchen an den Großen der Show-Welt. Wirft demonstrativ selbstsicher ihre blonden Locken über die Schweinsschulter. Wie es sich für eine Rampensau gehört, trägt sie extrem auffallend bunte Kleider, überdimensionale Ringe, Perlenkette, riesige Hüte, lange Abendhandschuhe und selbstverständlich High-Heels an den strammen Schweinswadeln.

Sie ist die erste Sau im Weltall. Als erster Maat agiert sie in der Reihe „Schweine im Weltall“. Brilliert als vorlaute Schwester in der „Tierklinik“. Sie liebt das Rampenlicht. Und sie liebt Kermit. Den zarten Frosch- Zeremonienmeister der Show. Die rosa Sexgöttin und der bescheidene grüne kleine Hüpfer. Immer wieder vermittelt sie ihm ungeniert ihre große Begierde. Mit Handkantenschlägen versucht sie ihren Angebeteten gefügig zu machen. Als schweinische Domina wirft sie sich immer wieder in ihrer Liebesnot vor die Froschschenkel und an den Hals Kermits. Doch dieser hat mit ihren Schweinereien nichts am Hut.

Blue-Piggy-Collage

Vielleicht auch deswegen, weil man munkelt ja, dass Miss Piggy gar kein weibliches Schwein sei. Ein männliches Schwein mit stark ausgeprägten weiblichen Attitüden? Eine Sau mit erhöhtem Testosteronspiegel? Man weiß es nicht so genau. Es ist ja auch schweinewurst. Ein geschlechtsneutrales anthropomorphes Wesen aus Latexschaum. Nun hat diese willensstarke, oft sehr aggressiv agierende Sau einen Preis erhalten. Miss-Piggy wurde am 4.6.2015 mit dem Frauenrechtspreis ausgezeichnet. Der Sackler Center First Award wird an Frauen verliehen, welche Geschlechtsbarrieren durchbrechen und in ihrer Branche bedeutende Beiträge leisten. Miss Piggy in grüne Seide gehüllt hat ihn persönlich im Brooklyn Museum in Empfang genommen.
Herzlichen Glückwunsch, Miss Piggy!

The Muppet Valentine Show / Pilot d. Muppet-Show /1974

Herb-Alpert-and-the-Tijuana-Brass-Special/1974

Peter Alexander /1977

In der Sauna mit Rudolf Nurejew

Preisverleihung – 2015

verfasst am 06.06.2015 aktualisiert am 07.03.2019© Bluesanne

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