Chapeau! – Hut auf!

Ich gestehe – ich liebe Hüte!

An den ersten Hut, den ich trug erinnere ich mich noch ziemlich genau. Es war ein orangegelber Papierhut mit vielen bunten Krepppapierblumen verziert. Diese überdimensionale Kopfbedeckung war ein Teil einer Faschingsverkleidung. Stolz marschierte ich damit als Blumenmädchen in die Schule. Offensichtlich dürfte ich damals schon krank gewesen sein. Denn, alle meine Geschwister und ich hatten kurz darauf die Masern. Alle hatten den Hut zuvor aufgesetzt.

Dann gab es noch seltsame Mützen aus unterschiedlichsten Tierfellen. Eine Großtante war Kürschnerin, die aus Resten für uns Kinder Winterhauben nähte.
Heute fühle ich mich gut behütet, wenn ich mich mit einem schicken Hut zu besonderen Anlässen schmücke. Passend zur restlichen Kleidung. Spezielle Hutgeschäfte findet man kaum noch in Wien. Meist stöbere ich auf Flohmärkten oder Secondhandläden nach neuen alten Modellen. Da ich ziemlich lange und viele Haare auf dem Kopf trage, benötige Hüte die auch diese gut und behutsam beherbergen können. Sicher behütet trotze ich damit dem Schnee und Regen. Und immer Sommer schützt er mich vor der heißen Sonne. Bei starkem Wind muss ich auf der Hut sein, damit er mir nicht vom Haupte weht.

Einfach kleidsam so ein Hut…keineswegs fühle ich mich dabei als alte Hutschachtel.

Falls jemand einen alten Hut hat, den er nicht mehr trägt – ich setze ihn gerne auf! Vielen Dank!


Das Wort stammt vom mittelhochdeutschen Huot ab und bedeutete ursprünglich Decke oder Schutz (im Sinne von Obhut), wurde dann aber spezieller in der Bedeutung Kopfbedeckung verwendet. Es entstand aus einer indogermanischen Wurzel *kadh- oder *skad- („schützende Bedeckung“; so noch in Sanskrit chad) durch Verlust des eventuellen „s“-Anlautes und Lautverschiebung des an- und auslautenden Konsonanten. Die feminine Form (mhd. huote) bezeichnet dagegen Aufsicht, Fürsorge, Schutz im Allgemeinen. Diese wurde unter anderem in Bezug auf Lehnsverhältnisse, die Bewachung von Frauen (siehe huoto-Exkurs in Tristan), aber auch militärische Wachen verwendet. Daraus entwickelte sich die Redensart „auf der Hut sein“. (Quelle:Wikipedia)

Hut und andere kuriose Steuern

Zwischen 1784 und 1811 erhob die britische Regierung eine Steuer auf den Verkauf von Hüten. Sie führte eine Stufenskala ein, die von 3 Pence (für Hüte, die weniger als 4 Pence kosteten) bis 2 Shilling (für Hüte, die mehr als 12 Shilling kosteten) reichte. Hutverkäufer mussten eine Lizenz erwerben (2 Pfund in London, 5 Shilling außerhalb) und ein Schild anbringen, das sie als Dealer in Hats by Retail (Einzelhändler für Hüte auswies. Um diese Steuer durchzusetzen, wurden Pflichtmarken gedruckt, die im Futter eines Huts angebracht werden mussten. Das Umgehen der Hutsteuer, ob vom Huthändler oder Hutträger, zog eine Geldstrafe nach sich; das Fälschen von Hut-Pflichtmarken konnte in letzter Instanz zur Todesstrafe führen. Merkwürdigerweise war die Steuer nur für Männerhüte zu entrichten.

In jener Zeit gab es noch ähnliche Steuern: Handschuhsteuer (1785-1794), Almanachsteuer (1711-1834), Würfelsteuer (1711-1862), Haarpudersteuer (1786-1869), Parfümsteuer(1786-1800) und Tapetensteuer (1712-1836.) Die vielleicht bekannteste Abgabe dieser Art ist die Fenstersteuer, die zum ersten Mal 1697 erhoben wurde, um die durch das Beschneiden und Abfeilen von Münzen entgangenen Einnahmen zu ersetzen. Anfangs wurden für fast jedes Haus 2 Schilling erhoben; für Gebäude mit 10-20 Fenstern zahlte man 4 Schilling; und für die mit mehr als 20 Fenstern waren 8 Shilling zu entrichten. Diese Gebühren nahmen bald überhand, wodurch die Praxis des „Zustopfens“ in Mode kam. Fenster wurde nämlich nicht mitgezählt, wenn sie mit einem Material vermauert waren, das mit den angrenzenden Mauer harmonierte, Inspektoren zählen in regelmäßigen Abständen die Fenster und vergewisserten sich, das keines der zugestopften Fenster „ausgebrochen“ war. Mit der Zeit wurde die Steuer unbeliebt, weil sie immer ungeheuerlichere Ausmaße annahm und den Bewohnern (insbesondere jenen der sowieso benachteiligten Viertel) das Tageslicht raubte. 1851 wurde die Steuer abgeschafft. (Quelle: Schotts Sammelsurium, Ben Schott 2005)

Nundenn…Hut gelüpft! Chapau der geschätzten Leserschaft!

Joe Cocker – You can leave your hat on (1986)

verfasst am 01.02.2015 ©Bluesanne aktualisiert am 23.11.2019

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