Märchen

Es war einmal …

ein kleines Mädchen mit langen blonden Haaren. Wenn sie durch die grauen Gassen lief, hüpften Ihre Locken fröhlich auf und ab. Sie rannte oft in ihren Lieblingspark. Dort kundschaftete sie neugierig die langen Kastanienalleen aus. Trieb sich in den Büschen herum, pflückte bunte Blumen von den Wiesen. Sammelte Beeren und Früchte und stopfte sie in ihre Hosentaschen. Manchmal setzte sie sich auf eine Bank und beobachtete interessiert die Vielfalt der Tiere. Große schwarze Krähen, die grauen, Kopf nickenden Tauben, die springfreudigen Eichkätzchen in den Bäumen, aber auch die herum wuselnden Ameisen und Käfer.

Blattwerk	00.00.2011	55,5 x 42 cm	Acryl auf PapierSie genoss die Zeit draußen im Freien. Sie war einfach fasziniert von der Lebendigkeit der Natur. Gleichzeitig aber genoss sie auch die Stille in so mancher Ecke des riesigen Parks. Eines Tages, als sie so gedankenverloren in den Himmel blickte, landete auf ihrer Hand ein Käfer. Langsam kletterte er an ihrem Arm empor. Als er dann endlich krabbelnd auf ihrer Schulter angelangt war, flüsterte er dem kleinen Mädchen ins Ohr:“ ….“

Akrobat - schööön!	21.08.2013	44 x 31 cm	Füllfeder auf PapierJa was wohl? Und wie geht es weiter? Bitte, weiter erzählen! Es ist schon spät, Du musst jetzt schlafen. So war dann oft die Antwort, wenn ich Oma an bettelte weiter zu erzählen. Sie jedoch das Licht endgültig löschte, ich aber meist von den Erzählungen weiter träumte. Wo in den Träumen, all die Märchen wahr wurden. Kein Wunsch blieb in diesen Phantasien des Schlafes unerfüllt. Diese Erzählungen aus dicken Büchern, oft mit vielen bunten Bildern bestückt wurden im Kopf zur Realität. Es war eine parallel laufende Welt. Eine Welt in der es keine wirklich bösen Wesen gab. Und wenn, wurden diese am Ende der Geschichte immer bestraft oder gar getötet.

Grausam? Nein, ich empfand das immer als sehr gerecht. Wer braucht heute noch Märchen? Hören und lesen wir nicht tagtäglich Geschichten, die keineswegs der Realität und schon gar nicht der Wahrheit entsprechen? Lügengeschichten, die uns gnadenlos um die Ohren geknallt werden. Der große Unterschied ist aber, dass uns diese Märchen nicht Oma oder Mama erzählen. Nein, es sind Menschen, die wichtige Funktionen inne haben. Die Verantwortung tragen. Und dennoch erdreisten sie sich uns täglich Märchen auf zu tischen. Tischlein, deck dich. Knüppel aus dem Sack. Die bösen Wölfe verschlingen zuhauf liebenswerte Großmütter. Geduldige alte Frauen, die lediglich ihre Enkelkinder mit spannenden überlieferten Geschichten erfreuen wollen. Tun sie es noch, nachdem sie selbst umgeben sind von Märchenerzählern? Ich denke, sie und auch andere Menschen sollten es weiter tun. Selbst wenn kluge Pädagogen meinen, dass Märchen grausam sind und der Seele des Kindes schaden könnten.

Ganz anders denkt die UNESCO. -> United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, deutsch offiziell Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, auch: Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Sie hat das „Märchenerzählen“ in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen. Als Kunst, mit diesen überlieferten Geschichten andere Menschen auf spielerische und geistig anregende Weise zu unterhalten.

Was ist Immaterielles Kulturerbe?

Zum immateriellen Kulturerbe zählen Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen. Gleichzeitig erfasst dieser Begriff auch die Instrumente, Objekte und kulturellen Räume, die mit dem jeweiligen immateriellen Kulturerbe in Zusammenhang stehen. Konkret wird das immaterielle Kulturerbe in fünf Bereichen, deren Übergänge fließend sind, zum Ausdruck gebracht:

• Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes

• Darstellende Künste

• Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

• Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum

• Traditionelle Handwerkstechniken

Wozu soll es dienen?

Immaterielles Kulturerbe wird von einer Generation an die nächste weitergegeben, fortwährend neu gestaltet und vermittelt den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität.
In diesem Verzeichnis befinden sich unzählige, fast schon vergessene Dinge wie:

Heiligenbluter Sternsinger

Maultrommelspiel in Österreich

Passionsspiele Erl

Wiener Dudler

Wiener Kaffeehauskultur und eben auch

das „Märchenerzählen“

 

Die vollständige Liste, und dazugehörige Informationen könnt ihr hier ausführlich nachlesen: Verzeichnis
Auch, oder vielleicht gerade weil wir in einer Zeit der ständigen Veränderungen leben, sind derartige althergebrachte Dinge nicht als unmodern oder rückständig zu betrachten. Vielleicht gerade, weil sie so bodenständig und urig auf uns wirken, haben sie eine gewisse Berechtigung. Einen Anspruch nicht vergessen zu werden, aber auch weiter gepflegt zu werden.
Darum bin ich sehr dafür, das Märchen weiter erzählt werden. Wo die Bösen immer besiegt werden. Dort wo Frösche noch zu Prinzen geküsst werden. Worin die guten Feen Deine Wünsche erfüllen. Die zauberhaften Erzählungen, die unsere Phantasie zum träumen bringt und mit den Worten:
….und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute“ enden.
(Textauszüge-Quelle: Unesco.at)

Papermoon – Tell me a Poem / 1992

verfasst am 20.06.2015 ©Bluesanne aktualisiert am 13.04.2020

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