Als ich über eine Leiche stolperte

Wien, 22. 11. 2020

Kurzkrimi

Es finden sich immer wieder erstaunliche Dinge in meiner Wohnung. Dinge, welche ich längst als verloren gegangen vermutet habe. Zwei A4 Blätter, beschrieben mit Kugelschreiber in relativ unordentlicher Schrift und vielen durchgestrichenen Worten. Ich wusste, dass ich als junges Mädchen angefangen hatte, einen Krimi zu schreiben und auch der Titel war mir noch in Erinnerung geblieben

Es muss etwa Ende der Siebziger gewesen sein. Ich las jede Menge Romane von Agatha Christie und andere spannende Geschichten. Daher liegt die Vermutung nahe, weshalb es gerade eine Kriminalstory war, die ich da hin gekritzelt habe. Ziemlich simpel formuliert. Mein Wortschatz war noch nicht so umfangreich, denke ich. Heute würde ich es wohl ganz anders schreiben. Vor allem nicht in Mitvergangenheit (Imperfekt). Irgendwie stolpert es so dahin. Die Namen der Protagonisten finde ich passend, könnte man beibehalten. Aber dennoch ist der Leser neugierig, wie es weitergeht. Vielleicht schreibe ich das Fundstück einmal zu Ende.

Als ich über eine Leiche stolperte

Es war kurz vor Ladenschluss, da ergellte ein Schrei durch das Kaufhaus. Ich war gerade dabei einen Ladendieb zu verhören, der versucht hatte Parfümeriewaren zu stehlen. Schnell veranlasste ich eine Verkäuferin den Mann fest zu halten, damit ich mich zu dem Ort begeben konnte woher der Schrei herkam. So rasch ich konnte, rannte ich zur Toilette. Damen oder Herren, da war jetzt die Frage. Nach dem Ton nach dürfte es eine Frau gewesen sein. Ich riss die Türe auf. Einige Damen erschraken zu Tode, aber ich musste wissen was los war. Da sah ich auch schon Blut aus einer der Türen fließen. Sie war verschlossen. Mit einem Karabiner öffnete ich sie gewaltsam. Einige Neugierige standen um mich herum und als die Türe offen war, ging ein Raunen die Menge.

Da lag blutüberströmt eine junge blonde Frau über der Klomuschel. Ihr Gesicht hing direkt in den Abfluss. Die Haare waren klebrig voll Blut. Überall waren rote Spritzer. Es war ein grausames Bild. Eine Frau fiel in Ohnmacht. Der Arzt war schon auf dem Weg und die Polizei war auch verständigt. Kurze Zeit darauf erschien Inspektor Kelogen, mein alter Freund und Feind gleichzeitig. Wie immer hatte er sich mit seinem umfangreichen Bauch bald Platz geschafft. Die Menge löste sich bald auf.

„Sieht sehr schlecht aus für das Mädchen, Frank, nicht wahr?“. „Oh ja“, antwortete ich. „Sieht ganz nach Mord aus“. „Jawohl, Kollege“. Das Mädchen wurde von allen Seiten fotografiert und begutachtet. Fingerabdrücke wurden, so gut es ging, abgenommen. Nach ca. einer Stunde wurde die Leiche abtransportiert. Kelogen schob die Herren von der Presse ein klein wenig mit Gewalt vor die Tür und versperrte hinter sich.

 

Nach einiger Zeit meinte Mike, dass es schon an der Zeit wäre nach Hause zu gehen. Es war bereits 19.10 Uhr. Eine Überstunde mehr. Wir verabschiedeten uns und gingen heimwärts Zwei Tage später erhielt ich die Berichte aus dem Labor. Alle Fingerabdrücke stammen eindeutig von der Toten. Sie hieß Ich kochte Kaffee. „Ich frag mich nur, wie das passieren konnte?“, sagte Mike. „Die Tür war versperrt. Und laut bisherigen Zeugenaussagen, hat auch niemand über die Toilette klettern sehen“. „Der Unsichtbare“, fiel ich ihm ins Wort. „Nein Scherz beiseite, mir geht das auch nicht ganz in mein erfahrenes und kluges Detektivhirn“. „Der oder Diejenige muss von außen abgeschlossen haben“.

Betty Point. Eine kleine Bankangestellte von der 5th Avenue. Keine Vorstrafen. Ziemlich unauffälliges Mädchen. Geboren in London am 11.August 1962. Ihre Eltern waren rechtschaffene und brave Bürger. Vater Point war Tischler und die Mutter führte draußen auf dem Land einen kleinen Haushalt. Es waren noch zwei Brüder da. Der eine war zehn und der andere fünfzehn Jahre alt.

Das Haus lag ziemlich ruhig und verlassen vor der Stadt. Es führte nur eine Straße hinaus. Ich klopfte an die massive Holztür und eine kleine zierliche Person mit kurzen blonden Haaren öffnete. „Bitte nehmen sie Platz Mister …?“ „Mister Mike Blackwater.“ „Ach ja, entschuldigen sie bitte, aber ich bin noch ganz durcheinander.“ „Es ist alles so furchtbar. Warum gerade meine Betty. Meine kleine brave Betty?“ Fragend sahen mich ihre mit Tränen befeuchteten Augen an. „Das müssen wir erst feststellen.“

 

Bluesanne

Bluesanne

Künstlerin
*Alltagsphilosophin - *Philanthropin - *Autodidaktin - *MusikConnaisseuse
verfasst im Jahre 1977 aktualisiert am 22.11.2020 ©Bluesanne

13:08:07 2023-09-24

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