Wie fühlt sich das an…

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…wenn man geliebt wird?

Wie ist das, wenn meine Mutter mich in den Arm nimmt? Wie ist das, wenn mein Vater auf mich stolz ist? Welches Gefühl habe ich, wenn Mama sagt: “Es wird alles wieder gut!?“ Wie schön ist das, wenn ich meinen Papa um Rat fragen kann? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Vorstellung davon, wie sich das anfühlt. Ich kenne es nicht.

Selbst Bücher, Berichte oder Gespräche können mir dieses Gefühl nicht vermitteln. Auch in keinster Weise verständlich machen. Es sind Worte, es sind Phrasen, es ist befremdend für mich. Viele Jahre war es mir sogar äußerst unangenehm, wenn ich Eltern mit ihren Kindern beobachtete, wie sie zärtlich mit ihnen umgingen. Wenn der Vater seinen kleinen Sohn an der Hand nimmt, und ihm die Welt erklärt. Wenn die Mutter, der Tochter die Tränen trocknet. Ja, es war mir fast schon peinlich. Ich dachte: “Was die für ein Tamtam um ihre Gschroppn machen!“ Muss denn das sein!

Viele Filme, auch die alltäglichen Sitcoms in denen Eltern mit ihren Kindern sorgsam umgehen, kann ich nur im Ansatz nach vollziehen. Ja, ich begreife, dass dies das „Normale“, das „Richtige“ ist, aber ich weiß noch immer nicht wie es sich anfühlt. Ich fühle lediglich, dass ich es vermisse, obwohl ich es nicht kenne. Eine Sehnsucht nach dem Unbekannten, Fremden und dennoch seltsam Vertrauten.

Mit 16 verwechselte ich ein wenig mehr Aufmerksamkeit die mir entgegen gebracht wurde, mit so etwas wie Liebe. Und ich selbst dachte, was ich da fühle ist ebenfalls Liebe. Es war eine Lüge. Ich habe meinen Mann nie geliebt, nicht so wie ich es später gefühlt habe. Ob er es als wahre Liebe empfunden hat, weiß ich nicht. Sein Verhalten in all den Jahren spricht dagegen. So habe ich auch hier dieses Gefühl nie empfangen können.

Mit 34 Jahren, emotional auf dem Stand eines Teenagers. Weiter auf der Suche nach diesen einzigartigen Gefühl der Geborgenheit, des Aufgehobenseins. Woher weiß ich, dass der andere mir diese wahrhaftigen Gefühle entgegen bringt? Wenn er an mich denkt, auch wenn ich nicht da bin? Wenn er meinen Geburtstag nicht vergisst? Wenn er über Alles mit mir spricht? Wenn er mir vertraut? Woran erkenne ich das?

Strohfeuer

Ich habe damals über Jahre immer versucht unterschiedliche Verhaltensweisen zu deuten. Umso mehr ein Mann für mich getan hat, umso mehr er Zeit mit mir verbracht hat, desto mehr bin ich davon ausgegangen, ja der muss mich einfach lieben. Allzu oft habe ich mich scheinbar verliebt, nein heute würde ich eher sagen, verknallt, verguckt, verschossen, es war lediglich Strohfeuer. Angefacht von den Nettigkeiten und der vermehrten Zuneigung des anderen. Doch es war scheinbar nicht die Liebe, welche ich vermisse.

Der Verstand sagt, die Liebe, die ein Kind bekommt und geben kann, kommt nie wieder, oder? Mir ist das alles ein Rätsel.

Klarer sehe, nein fühle ich, wenn andere Paare sich tatsächlich lieben. Wenn sie sich einig sind, im Herzen. Ich spüre die Ehrlichkeit und die Innigkeit. Die Harmonie, selbst wenn die Beiden sich in die Haare kriegen. Aber ich weiß ganz genau, anschließend liegen sie sich wieder in den Armen. Ja, und ich freue mich für die Zwei und für mich, dass ich mich nicht getäuscht habe. Ein warmes sattes Gefühl. Nein, ich beneide sie nicht. Ich wünschte nur, es wäre bei mir ebenso.
Das zeigt mir ein wenig den Weg dorthin. Täuschen mich meine eigenen Empfindungen immer wieder? Projiziere ich meine Wünsche auf den anderen? Ist es lediglich das, was ich sehen will?

Lese, studiere nein ich verschlinge Erich Fromm. Beobachte andere Menschen, Paare, Familien. Es scheint mir immer vertrauter, aber ich weiß noch immer nicht, wie das ist, wenn mich wer liebt.

Mittlerweile denke ich, dass ich meinem Herzen, meiner Seele vertrauen kann. Doch das ist noch immer nicht der Schlüssel zu dem Geheimnis. Wird es für immer ein Mysterium für mich bleiben? Wird mir diese Türe für ewig verschlossen bleiben? Oder ist es einfach ein so seltenes Ereignis, dass es tatsächlich nur in wenigen Fällen passiert? Weil es der falsche Zeitpunkt ist? Weil man aneinander vorbei rennt? Weil einer zu feig ist, um es sich ein zu gestehen? Oder weil eben scheinbar banale Dinge im Weg stehen. Vielleicht auch, weil der andere dieselben Zweifel oder Fragen hat wie ich.

Was nützt das ganze Hinterfragen. Es ist keine Liste mit Fakten, Ereignissen, Eigenschaften und Taten die ich abhaken kann. Kein Fragebogen, indem prozentuell mehr JA als Nein die Summe ergeben. Kein Abgleichen von Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten oder Geschmack.

Fragt mich jemand: Wie sieht er aus? Wie soll er sein? Ich weiß es nicht, er wird sein, wie er ist. Er wird aussehen, wie er eben aussieht. So wie eben ein Baby, welches geboren wird. Die Mutter wird es lieben, egal wie es aussieht. Sie wird es nehmen, wie es ist. Ich weiß nicht, ob das auch meine Mama getan hat. Wie lange sie es getan hat. Ich erinnere mich nicht. Mein Vater hat es wohl nie getan, weil ich für ihn nie etwas empfunden habe. Keine Wut, keinen Hass, keinen Zorn nichts dergleichen. Es gab und gibt keine Verbindung zu ihm. Als wäre er nie ein Teil von mir oder ich von ihm gewesen. So wie mir auch der Rest der Familie fremd ist. Ich habe da nie dazu gehört.Emotionen	11.07. - 22.08.2012	29,7 x 21 cm	Acryl + Tusche auf Papier

Mein Sohn ist mir nahe. Meine Allerliebste ist mir nahe. Ein paar Freunde sind mir nahe. Aber nicht so nahe, wie das was ich nicht kenne. Wie es ist, geliebt zu werden. Angekommen sein, Angenommen sein, Aufgefangen sein, eine ewige Umarmung spürend. Ohne jegliche Angst, ohne ein Gefühl festgehalten zu sein.
Mag sein, das es schon da ist, da war und ich habe es übersehen. Ich weiß es nicht.

Ich wünsche einfach nur …zu wissen, wie es sich anfühlt!

7.02.2019

„ich denke, das Fehlende, dass ich nicht kenne, ist unersetzbar …ich weiß es nicht

…wahrscheinlich, weil ich das Gefühl „Familie“ nicht kenne“

 

Ein Anschlussgedanke zum Geschriebenen im Jahre 2015. Hat sich seither diese Leere gefüllt? Nicht wesentlich. Ende 2017 bekam ich einen Anruf von meinem Bruder. Unser Vater sei im Spital wegen ein ernsthaften Erkrankung. Kurzentschlossen habe ich meinen Sohn gebeten mich ins Krankenhaus zu begleiten. Er lag auf der auf der selben Station, wo ich im September einige Tage verbracht hatte.
Zwei Personen befanden sich im Krankenzimmer. Ich musste auf die am Bett angebrachten Tafeln schauen; ich habe meinen Vater nicht erkannt. Etwa zwei Stunden haben wir geredet. Auch über die Vergangenheit. Mein Empfinden für diesen Mann im Krankenbett änderte sich nicht. Als würde ich mich mit jemand x-beliebigen anderen der Patienten unterhalten.
Draußen herrschte tiefster Winter, eisig kalt wehte mir eine Windböe entgegen. In mir – ratlose Leere. Dieser Mann war und ist mir fremd geblieben. Ein befremdendes Gefühl.

 

verfasst am 26.03.2015 aktualisiert am 07.02.2019 ©Bluesanne

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