The music in me (8) [Cecilia Bartoli]

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Als Kind und Jugendliche war ich jedes Schuljahr stolze Besitzerin eines Abonnements des „Theater der Jugend“. Ich gehe davon aus, dass dies meine Oma gefördert hat. Das Programm war vielfältig. Es gab, dem Alter angepasst Theateraufführungen, Puppentheater, Musical, Operetten und auch Oper im Laufe der Saison zu sehen.

Schon alleine die unterschiedlichsten Spielorte waren für mich ein Abenteuer. Wie wäre ich sonst wohl, je in das Burgtheater oder in die Volksoper gekommen? Ich war immer alleine in den Vorstellungen und genoss diese Aufführungen sehr. Meine erste Opernaufführung die ich besuchen durfte war: „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck. Ich glaube, dass damals nicht die Musik im Vordergrund meines Interesses stand, eher das Drumherum. Die Bühnentechnik, die Kostüme, wie sich die Darsteller bewegten und oft auch das Theater oder Opernhaus an sich. Doch was sehr faszinierend für mich war, wie Menschen über 2 Stunden singen konnten. Ich stellte mir das sehr anstrengend vor.

Spätestens seit P. (der 180 kg) Mann, weiß ich welche Leistung OpernsängerInnen auf der Bühne bringen müssen.
Eine Frau aus Rom, ist für mich persönlich die faszinierendste Künstlerin in diesem Genre der Musik.

Cecilia Bartoli

Allein dieser Name klingt schon wie Musik. Dabei wollte sie Fremdenführerin oder Flamencotänzerin werden. Gut, dass ihre Eltern (beide ebenfalls Opernsänger) rechtzeitig ihre außergewöhnliche Singbegabung gefördert haben.
Meine Bewunderung gilt nicht nur ihrer herrlichen Stimme (Koloratur-Mezzosopran mit einem dunklen, satten Timbre ), sondern auch ihrer besonders einnehmenden Art. Als ich sie das erste Mal im Fernsehen entdeckte, war ich völlig hingerissen von ihrer quirligen und temperamentvollen Art. Ihre Begeisterung und ihr Enthusiasmus in dem was sie tut sind derart ansteckend, dass ich am liebsten auch gleich Opernsängerin geworden wäre.
Sie ist eine Forscherin und sucht immer wieder neue Herausforderungen in ihrem Beruf.
Zum Beispiel widmete sie ein DoppelAlbum (Sacrificium) der Kunst der Kastratensänger des 18. Jahrhunderts. Diese waren zu ihrer Zeit die Superstars in der europäischen Musik, jedoch das Leid durch die vorgenommenen Kastrationen war groß. Der Eingriff wurde vorgenommen um den Stimmwechsel zu unterbinden und die Knabenstimme (Sopran oder Alt) zu erhalten. Meist hatte die Kirche weibliche Darsteller verboten, daher übernahmen Kastraten die Frauenrollen in der Oper.

Papst Innozenz XI. ließ am 4. Mai 1686 verlauten: „Die Musik schadet in höchstem Maß der für das weibliche Geschlecht ziemlichen Bescheidenheit, weil sie dadurch von ihren eigentlichen Geschäften und Beschäftigungen abgelenkt werden […] sie sollen weder das Singen oder das Spielen irgendeines Instrumentes lernen.“ Papst Clemens XI. (Pontifikat 1700–1721) bekräftigte das Verbot von Sixtus V. mit der Begründung, „dass keine Weibsperson bei hoher Strafe Musik aus Vorsatz lernen solle, um sich als Sängerin gebrauchen zu lassen, denn man wisse wohl, dass eine Schönheit, welche auf dem Theater singen und dennoch ihre Keuschheit bewahren wollte, nichts anderes tue, als wenn man in den Tiber springen und doch die Füße nicht nass machen wolle.“

Eine faszinierende Frau und Künstlerin mit einer unbändigen Kraft und Energie die selbst über den Bildschirm so erstaunlich lebendig bei mir ankommt. Wie muss sich diese weibliche Dynamik wohl real anfühlen?
Cecilia Bartoli steht auf meiner Liste von Künstlern ganz oben, welche ich unbedingt einmal live erleben möchte! Und vielleicht auch ein paar Worte mit ihr wechseln. Ich traue ihr sogar zu, selbst mir singen bei zu bringen. Zumindest hat sie mich noch neugieriger in Sachen klassischer Musik gemacht. Ich liebe derart ansteckende und Begeisterung schenkende Persönlichkeiten. Und ich mag ihre Kleider, Haare, Augen und ihr Lächeln.

Brava Cecilia!

verfasst am 06.01.2015 aktualisiert am 04.06.2019 ©Bluesanne

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