Eitelkeit

Eitelkeit (lat. vanitas) ist die übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit, den eigenen Körper, das Aussehen und die Attraktivität oder die Wohlgeformtheit des eigenen Charakters.

Quelle:Wikipedia

„Du eitler Gockel!“, meint die Frau zum Manne. Der Mann kontert:“Na wäre es Dir lieber ich schau gar nicht auf mich.“ Der Mann, der länger morgens im Bad benötigt, als die Frau des Hauses. Sicherlich ein lästiges, jedoch wohl auch ein lösbares Problem. Warum nennt die Frau ihren Mann, eitel? Weil er das Badezimmer blockiert? Weil die Frau denkt, er hat eine neue Flamme? Umgekehrt, würde der Mann die Frau ebenso eine eitle Kuh nennen? Der Hahn, der auf dem Misthaufen mit seinen prächtigen Federn, die Hennen lockt. Eigentlich ein positives Bild. Und die Kuh? Putzt die sich auch heraus, malt sich lila an, wenn der Stier naht? Gut heutzutage, werden sich Hahn und Henne ohnehin nur noch selten persönlich treffen. Und auch Kuh und Stier begegnen sich wohl auch lediglich auf dem Weg zum Schlachthof im Lastwagen, oder?

Ab wann ist eigentlich jemand eitel? Wenn die Person sich täglich mehrmals duscht, weil sie denkt, sie ist das sich und der Umwelt schuldig? Ich denke, diese leidet eher an einen Waschzwang. Oder die Person, die sich mit Unmengen von Düften ein sprüht, einreibt und dies auch noch für jeden einzelnen Körperbereich extra. Ich denke, dass sind die, welche ziemlich viel zu verbergen haben, oder sich selber nicht wirklich riechen können. Die Person, die sich für unzählige Schönheitsoperationen unters Skalpell legt. Diese ist eher unzufrieden mit sich, oder eifert irgendeinen wahnwitzigen Ideal nach.

Wird ein Mann eher als eitel betrachtet, oder eher die Frau? Wenn ich mir Mann und Frau auf der Straße so ansehe, dann bemerke ich schon, dass Frauen optisch eher auf sich achten als Männer. Sind Männer, deswegen weniger eitel? Gepflegtes Auftreten muss jedoch nicht immer mit Eitelkeit einher gehen. Auf sein Äußeres zu achten ist für mich eher eine Wertschätzung sich selber und aber auch den Anderen gegenüber. Ich denke, jeder hat Freude daran, einen ansehnlichen Menschen als Gegenüber zu treffen.

KünstlerLeben (BTTB 5)	22.05.2015	29,7 x 21 cm	Acryl + Marker auf PapierMenschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind meist eitel. Eine Vielzahl an Künstlern ist eitel. Ich denke, das müssen sie sein. Ob nun gewollt, oder nicht. Das Rampenlicht zeigt jede einzelne Bügelfalte im Gesicht. Menschen, die gerne im Mittelpunkt mit ihrem Können stehen brauchen diese Eitelkeit, wobei ich diese eher als Koketterie mit dem Publikum sehe. Ob der Schauspieler, Sänger, Moderator, Kabarettist, das Model oder der aus dem Fernsehen, tatsächlich privat ebenso eitel ist, wird sicherlich sehr unterschiedlich sein. Politiker sind wohl ebenso eitel. Immerhin zieren hunderte Plakate mit deren Konterfei die Straßen unserer Stadt.

Ist es immer die jeweilige Person, die sich vermehrt Sorgen bereitet, dass sie schön genug ist? Einen geraumen Teil nimmt sicherlich auch das Umfeld ein. Fordernd, nach noch mehr Schönheit, tadellos auftreten, ohne Makel, einfach perfekt sein. Und dies in genormter Form. Siehe nach Hollywood.

Aber da gibt es noch eine andere Eitelkeit. Die, welche uns nicht nur äußerlich gut aussehen lassen soll. Es ist die, welche meist subtil daherkommt. Die Gefallsucht, welche manche Menschen gnadenlos durchziehen. Opportunisten, die es um jeden Preis Recht machen wollen. Ja nur nicht irgendwo anecken. Gut dastehen, mit keiner Meinung. Gut dastehen mit Deiner, Seiner, Ihrer euer Aller Meinung. Diese Personen bauen um sich die grünsten, aber auch unauffälligsten Gärten. Stellen sich die abscheulichsten Gartenmöbel rein, damit der Nachbar sein Gefallen daran findet. Weil der hat ja dieselben, grauenhaften Gartenmöbel. Personen, die dem anderen Nachbar sagen, wie furchtbar die Gartenmöbel, des anderen Nachbars sind. Weil dieser lediglich eine alte Holzbank vor seinem Haus stehen hat. 

Eitle Männer z.B. sind für mich nicht die, die morgens das Bad in Überlänge blockieren. Nein, es sind die nach außen das perfekte Familienleben führen. Überall lauthals bekunden, wie glücklich sie doch verheiratet sind, wie sehr sie ihr Familienleben schätzen. Frau und Kind ehren, lieben. Gut situiert, beruflich wie auch gesellschaftlich ihren Mann stehen. Relativ unspektakulär aussehen, gepflegt, aber nicht übermäßig dandyhaft. Wohl mehr der nette Mann von nebenan. Der, der immer höflich, galant die Hausbewohner grüßt, während er brav den Müll raus bringt. Charmant mit den Damen flirtet, jedoch wieder eilig zu seiner im Wagen wartenden Frau huscht. Diese noch demonstrativ vor der schönen Nachbarin küsst. Damit sie ja sieht, wie glücklich er doch ist. Unabhängig davon, ob es nun tatsächlich so ist, oder auch nicht.

Diesen eitlen Kerlen ist es wichtig, dass es alle Anderen so sehen. Ihn so sehen. Er ist brav, er ist sauber, er ist integer, er hat gutes Benehmen, er arbeitet fleißig aber nicht zu viel, er zeigt sich meist in Gesellschaft seiner Familie. Falls die einmal nicht da sein sollte, hat er dutzende Fotos im Portmonee oder auf dem Handy. Präsentiert diese ebenso stolz und angeberisch seinen Firmenkollegen. Natürlich beneiden ihn alle, vor allem die Damenwelt kniet vor diesen Männern. Ja, so was hätten sie auch gerne. Doch er, der Herr Eitelkeit ist doch nicht mehr zu haben, oder?

Doch! Sie sind die größten Schwerenöter. Sie sind die ersten, die bereits bei der Hochzeitsfeier mit der Trauzeugin der Braut gnadenlos flirten. Wenn es ihm dann allzu brenzlig wird, kann er ja jetzt seine Angebetete vorschieben. Die Herzeigefrau, die perfekt in seine Idylle für die Außenwelt, für das große Publikum ist. Applaus. Gut gemacht, eitler Geselle.

Doch die Frauen, die jahrelang Affären mit dieser Gattung von Männern führen, wissen wie Du wirklich bist. Die Geliebte reißt Dir in kürzester Zeit die Maske vom Gesicht. Kein kleinkarierter Pyjama mehr, nein Leder Chaps oder gar nackt stehst Du vor dieser Frau. Niemals, never ever, so dürfte Dich Deine Gattin niemals sehen, was würde sie denn bloß von Dir denken?

Zu keiner Zeit würdest Du je irgendjemand anvertrauen, dass Dein Leben eine Multimedia-Show ist. Von Beginn an als Vorzeigebeispiel für die achso unmoralische Welt gedacht. Verdorben ist sie die Welt rundum. Und Du? Du in Perfektion spielender treue Ehemann. Deine Frau, hat sie auch eine Maske auf? Nein, niemals, meine Frau doch nicht. Die vergöttert Dich. Solange, bis sie hinter Deine Kulissen sieht. Mag ja sein, dass Du tatsächlich niemals eine andere Frau berührst, aber begehren tust Du sie und wie.Masked	29.10.2012	29,7 x 21 cm	Pinselstift + Filzstift auf Papier

Aber begehrliche Frauen heiratet man nicht. Die stellt man sich ins Regal oder in den Garten als Trophäe. Somit erlangst Du dann auch die Bewunderung der Herrenwelt, weil Du sonst ja ein Schlappschwanz wärst. So viele schöne Frauen, und keine vernascht, na geh, das glaubt Dir doch keiner. Kein Mann kann ewig treu sein. Und schon gar nicht ein eitler Mann. Er arrangiert sich lieber, bevor er sich die Blöße gibt.
Was sollen denn sonst die Nachbarn von Dir denken.

Ob ich solche Männer kenne? Ja, aber auch jede Menge solcher Frauen. Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit. Vanity Fair – wo sich Menschen weit mehr Gedanken darüber machen, den Anderen zu Gefallen, als über Arbeitslosigkeit, Krankheit, Umweltzerstörung und Ähnlichem.

PS: Anmerkung der Autorin: „Ich bin auch ein wenig eitel, deshalb habe ich das Foto oben als Blog-Bild gewählt – weil es mir persönlich gefällt. Ein wenig Eitelkeit spreche ich mir als Künstlerin als Koketterie und meinen Ansprüchen mir gegenüber zu“ 😉

Mehr über Vanitas (sehr spannendes Thema, hätte ich vor dem Schreiben nicht gedacht.

Wir sind so eitel, dass uns sogar an der Meinung der Leute, an den uns nichts liegt, etwas gelegen ist.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916), österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin Quelle: Ebner-Eschenbach »Aphorismen«, 1911

verfasst am 19.04.2015©Bluesanne

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