Nivea-Ballon

Das Gänsehäufel – Die paradiesische Insel in der Stadt

Wien, 29.04.2020

Heute wurde in einer der unzähligen Pressekonferenzen der letzten Wochen verkündet, dass die Bäder Ende Mai wieder geöffnet werden. Üblicherweise werden die Tore für den fröhlichen Badespaß am 1. Mai aufgesperrt. Aber in diesem Jahr ist ohnehin alles durcheinander gewürfelt.
Es wäre für meinen Körper, wie auch für meine Seele sicherlich zuträglich, wenn ich viel mehr Zeit in freier Natur verbringen würde. Da könnte ein Tag im Gänsehäufel sicherlich äußerst erholsam sein. Keine Ahnung, ob ich es mit all den vorgesehen Einschränkungen auch so empfinden würde. Oder würde ich es gerade dort gar nicht so mitbekommen, da ja ausreichend Platz vorhanden ist?

Mal sehen, was die Zukunft noch so parat hat. Hier auf dieser paradiesischen Insel in Wien und den Rest der Welt.
Krank zu sein, schränkt ein. Die Barriere für unendlich viele Bereiche in unserem Leben ist nun eine Krankheit, die uns eingrenzt.


 

Der punktgenauen Wettervorhersage habe ich es, unter anderem zu verdanken, dass ich Dienstag, die wohl letzten heißen Stunden im Paradies verbringen durfte. Auf einer Trauminsel, die lediglich zwanzig Autominuten von meinem zu Hause leicht zu erreichen ist. An einem Ort, wo es beinahe Alles hat, was mein sommerliches Herz begehrt.

Ein gigantischer Sandhaufen, welcher in der Zeit der Donauregulierung zwischen 1870 bis 1875 noch zahlreiche Gänse besiedelten. Auf einen seiner vielen Wanderungen entdeckte der Individualist und Naturliebhaber Florian Berndl die Insel an der Alten Donau.
Der Waldviertler pachtete die Insel, baute darauf eine Hütte und zog mit Frau und Kinder ein. Auf 5755 m² begann er seine Vorstellungen von einer natürlichen Lebensweise zu realisieren. Die visionären Ideen von Sand-, Luft-, Licht- und Sonnenkuren wurden in dieser konservativ-bürgerlichen Zeit äußerst kritisch betrachtet. Offiziell hieß es, er würde auf dem Häufel Edelweiden kultivieren. Dennoch entwickelte sich das Sonnenbad Gänshäufel zu einem Treffpunkt für Naturliebhaber. Viele Wiener, darunter auch der prominente Hermann Bahr genossen den herrlichen Platz am Lido von Wien. Weniger begeistert vom gemeinsamen Baden von Männlein und Weiblein fanden das indessen einige prüde Spießgesellen. Die Bürokratie stoppte Berndls neues Sonnenparadies im Jahre 1905. Er besaß für die Kantine keine Konzession.

Der rastlose Naturliebhaber gründet am gegenüberliegenden Ufer des Gänsehäufels die Garten-Kolonie „Neu-Brasilien.“ Das gleichnamige Lokal an der Alten Donau zählt zu einer meiner Lieblingsplätze an sonnigen Tagen. Mit herrlichen Ausblick auf die Insel.
Am 5.August 1907 wurde das von der Stadt Wien übernommene Bad auf dem Gänsehäufel als Strandbad der Commune Wien eröffnet. Im zweiten Weltkrieg wurde das Inselparadies vollständig zerstört. Der Wiederaufbau begann 1948 nach Plänen von Max Fellerer und Eugen Wörle. Am 22.Juni 1950 erfolgte die feierliche Wiedereröffnung des Bades. Zentral mittig befinden sich die Gebäude. Umrahmt von den natürlich gewachsenen Liegewiesen mit dem gigantischen Baumbestand. Die Badeanlage Gänsehäufel erhält im Jahre 1993 den Status eines „Denkmals von historischer, künstlerischer und kultureller Bedeutung.“

Wellenbecken

Aber nicht nur die unbeschreibliche natürliche Schönheit lockt jährlich bis zu 30.000 Menschen ins Bad. Das erste Wellenbecken Europas und der 27 Meter hohe Uhrturm zählen zu beliebten Attraktionen. Zwischen den Jahren 2000 bis 2004 wurde das am häufigsten besuchte städtische Freibad Wiens abermals saniert. Ein abgesperrter FKK-Bereich, zwei Kilometer langer Badestrand, Sport- u. Kleinkinderbecken, Wasserspielgarten, Wasserrutsche, Spiel und Sportplätze, ein Hochseilgarten und Stand UP Paddling und und und….erwarten jede Saison auf zahlreiche sonnenhungrige Badegäste.

Klettergarten


Uhrturm

N-Ballon

Für mich liegt jedoch der ganz besondere Charme in der Gesamtheit der vielen Kleinigkeiten, welches dieses Inselparadies ausmacht. Ich hatte hier schon viele Stunden in meiner Kindheit verbracht. Aber noch nie habe ich das gesamte Areal gesehen. Barfuß mache ich mich auf den Weg. Als Wegzehrung besorge ich mir ein Langos. Ich spaziere hinunter zum Strand, vorbei am FKK-Gelände in Richtung des blauen „Nivea-Ballon.“

Kabanen

Ewige Zeiten sticht er hier schon, als perfekter Orientierungspunkt für Groß und Klein am Wasser hervor. Gönne mir eine kleine Rast auf einer Bank, um das emsige Treiben rundherum zu beobachten. Wate durch das angenehm kühle Wasser der Alten Donau. Meine Füße trocknen schnell in der Wiese auf dem Weg entlang des bunten Treibens der unzähligen Badegäste. Langsam entferne ich mich von dem Trubel. Von Mal zu Mal wird es stiller. Der Weg neben einen begrünten Zaun führt mich an das nördliche Ende der Insel. Nur noch vereinzelt treffe ich auf Menschen. Einige behelmte Kinder kraxeln im Hochseilklettergarten herum. Sanftes Rauschen aus den urigen Holzgewächsen begleitet mich zu den heißbegehrten Kabanen. Etwa 2200 Bäume haben hier ihre Wurzeln gefunden. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Gemütlich trete ich den Rückweg zu meinem Liegeplatz an.

Langos

 

unbeschreiblich

erste Wolke

Breite mich genussvoll auf meinem Badetuch aus und genieße die letzten kräftigen Sonnenstrahlen an diesen herrlichen Tag. Ich denke, die Visionen des Herrn Berndl sind hier zur Realität geworden. Für mich gehen traumhafte Stunden vorüber. Wertvolle Momente eines kurzen Rückzuges aus meinen Alltag. Bisschen Energie getankt für all die nicht so angenehmen Tage. Eine fast schon symbolträchtige einzelne Wolke taucht mit einem Mal am Himmel auf.

Ich packe meine Tasche, spaziere gemächlich zum Ausgang.
Nur noch wenige Tage (bis 20.September 2015) hat das Gänsehäufel seine Pforten geöffnet.
Mehr als 100 Jahre bietet die Urlaubs-Insel unzähligen Menschen ihre unbeschreibliche – natürliche Schönheit. Ein Paradies – inmitten einer Millionenstadt!

 

verfasst am 06.09.2015 aktualisiert am 29.04.2020 ©Bluesanne

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