Begräbnis

Bedeutung laut Duden: Beerdigung, Bestattung mit den dabei üblichen Feierlichkeiten
Synonyme zu Begräbnis: Beerdigung, Begräbnisfeier, Bestattungsfeier, Leichenfeier, Totenfeier, Trauerfeier; (schweizerisch) Gräbt; (gehoben) Beisetzung, Bestattung, Grablegung, Leichenbegängnis; (süddeutsch, österreichisch) Leich; (österreichisch landschaftlich) Bestattnis; (landschaftlich veraltend) Leiche; (gehoben veraltet) Begängnis, Funeralien; (katholische Kirche) Exequien, Requiem, Sterbeamt, Totenamt, Totenmesse
Herkunft: mittelhochdeutsch begrebnis(se) = Grabstätte

Wien, 16.06.2020

Die Rose fiel still auf den Sarg. Ebenso leise war es in meinem Kopf. Leere, es fiel mir nichts ein, was ich meinem Vater noch sagen wollte. Da regte sich keine Wut, keinerlei Erleichterung, keine Trauer, blank jeglicher Emotionen. Grabesstille, bekam in diesen Moment, eine ganz spezielle Bedeutung. Ein eigenartiger Zustand so Abschied zu nehmen. War die vergangene Stunde überhaupt eine Verabschiedung? Kann ich jemanden Leb wohl sagen, den ich eigentlich nie als Willkommen in meinem Leben betrachtet habe? Unabhängig davon, was er unserer Familie angetan hat, er war für mich als Person immer schon ein völlig Fremder gewesen. Ein Mensch, der zwar physisch vorhanden war, aber nie als ein solcher empfunden wurde. Ich sah und sehe ihn nicht als bösen, schlechten, brutalen, schlagenden, herzlosen Vater, nein, ich sehe ihn gar nicht. Weder als Mensch, noch als meinen Vater. Weil ich gar nicht weiß, wie es sich anfühlt einen richtigen Papa zu haben.
Ich habe mich schon von einigen Menschen am Grab verabschiedet. 1991 von meiner Mutter, die nicht einmal fünfzig Jahre alt war. 1992 von meinem jüngsten Bruder, er war erst 24 Jahre alt. 2000 starb meine Oma. 2010, der Tod meines Freundes, gegangen im Alter von 52 Jahren. Allen konnte ich ein paar Worte und Gedanken mit auf den Weg geben.

Seit 04.Mai, der Tag des Begräbnisses warteten folgende Worte auf eine Fortsetzung:

 

Pünktlich auf die Minute stand er im dunklen Anzug samt Krawatte vor der Tür. Fesch, schaut er aus meinem Sohn. Auch ich hatte mich dem Anlass entsprechend, schwarz gekleidet. Üblicherweise besuche ich vor Feierlichkeiten den Friseur. Nun, dieses Mal war es einfach nicht möglich. Zum einem, weil die Friseure erst am Samstag wieder geöffnet haben. Zum anderen, mit den aktuellen Auflagen sind die Coiffeure ohnehin schon ausreichend belastet, da möchte ich nicht auch noch mit meinen extralangen Haaren daherkommen. Obendrein kann ich mir nicht vorstellen, zwei bis drei Stunden mit Maske im Salon zu sitzen. Zu Hause einmal Haare Waschen und an der Luft trocknen reicht.
Am 25.April hatte mich mein Bruder vom Tod unseres Vaters telefonisch informiert. Nach einem sehr ausführlichen Gespräch, fragte ich mich: „Was wird das mit mir tun?“ Ein Gefühl, welches ich ohnehin schon all die Jahre empfinde ist nach wie vor präsent. Meine Empfindungen, wenn ich an meinen Vater denke – es sind keine Emotionen da. Leere, keine Verbindung tut sich da auf, bis auf die Erinnerungen an die verprügelte Kindheit und Jugend. Es ist als würde man etwas essen und es schmeckt nach absolut nichts. Eigenartig.
2017, als ich zuletzt meinen Vater im Spital besucht habe, konnte schon damals diese schale Leere in mir nicht einordnen. Sollte es nicht anders sein? Ich denke, ein Gefühl kann sich nicht irren. Zumal sich sein Verhalten in keiner Weise verändert hat. Er war so wie ich ihn schon immer in Erinnerung hatte. Dieses letzte Gespräch im Krankenhaus  war  lediglich  oberflächliches  leeres  Gerede.

Erst heute habe ich mich endlich dazu aufgerafft, dieses Kapitel endlich zu Ende zu schreiben.
Abgesehen davon, dass sich dieses Vakuum hinsichtlich der Empfindungen und keinerlei Worte zu finden, absolut nicht geändert haben, war die Bestattung für mich persönlich äußerst bizarr. Die Grabrede, die zu großen Teilen nicht der Wahrheit entsprachen. Worte, die so farblos klangen, völlig los gelöst von all dem was tatsächlich geschehen war. Es wäre wohl angemessener gewesen, nichts zu sagen. Wie auch immer; nun ist er tot und ich bin jetzt Vollwaise. So wie ich mich ohnehin schon mein gesamtes Leben gefühlt habe.

Musik gab es obendrein.  Wie auch immer, warum auch immer. Ruhe in Frieden.

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